Im sogenannten " Drei- Kaiser- Jahr " übernimmt Wilhelm II. das Regierungszepter von seinem am 15.Juni 1888 nach schwerer Krankheit verstorbenen Vater Friedrich III., welches dieser nur 99 Tage zuvor von Wilhelm I. durch dessen Tod am 9.März 1888 übergeben bekommen hatte.

Bekannt als Gegner der Politik Bismarks entwickelt der erst 29- jährige Kaiser in den nachfolgenden Jahren eine eigenwillige Art des Regierens.
Demzufolge dauerte es nicht mehr lange, bis Otto von Bismark infolge Innen- und außenpolitischer Meinungsverschiedenheiten, am 18.März 1890 sein Rücktrittsgesuch einreicht und daraufhin von Wilhelm II. als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident entlassen wird.
Die Entlassung Bismarks wird im Ausland mit Sorge beobachtet, da hiermit auch die außenpolitische Defensivhaltung des Deutschen Reiches aufgegeben wird.
Am 28.März 1898 wird das Erste Flottengesetz verabschiedet. Den Anstoß hierzu gab der Staatssekretär des Reichsmarineamtes, Admiral Alfred von Tirpitz, der den Kaiser von der Notwendigkeit einer schlagkräftigen Hochseeflotte Deutschlands überzeugt hatte.
Die Forderung Wilhelm II. nach " einem Platz an der Sonne " führt damit zu einer Verstärkung der deutschen Flotte, welche nun durch das erste Flottengesetz geregelt wird.
Am 12.Juni 1900 folgt das Zweite Flottengesetz, welches eine Verdopplung der Hochseeflotte vorsieht. Damit sollte das Kräfteverhältnis zur britischen Marine, der damaligen stärksten Seemacht der Welt, verschoben werden.
Das Ziel bestand darin, einen Flottenverband aufzubauen, der den britischen Seestreitkräften im Ernstfall jederzeit militärisch gewachsen war.
Mit diesen starken Worten aus seiner berühmt berüchtigten " Hunnenrede ", leitet Wilhelm II. am 27.Juli 1900 eine neue Phase deutscher Außenpolitik ein.

Anlass dieser vom Kaiser höchstpersönlich entworfenen Rede war die Entsendung des deutschen Marinekorps zur Niederschlagung des Boxeraufstands in China unter dem Kommando des Generals Graf von Waldersee.

Das Expeditionskorps bestand aus 15000 Mann und sollte die Ermordung des deutschen Gesandten in Peking, Klemens Freiherr von Ketteler, rächen und den Aufstand der " Boxer " , eines Geheimbundes gegen die Kolonialmächte, niederschlagen.